Mein Sonntag auf tutti.ch: vom Küchengadget zur globalen Datenauktion

Mein Sonntag auf tutti.ch: vom Küchengadget zur globalen Datenauktion

Gewisse Dinge erstaunen mich nach wie vor, mehr dazu vielleicht morgen, bin grad noch die 778 Partner am analysieren. Dabei wollte ich ja nur auf tutti schauen, ob da jemand ein Zubehörteil für meine Kenwood Küchenmaschine verhökert.

Sowas hab ich gestern abend, ich glaube auf Facebook, gepostet. Ich koche sehr gern, mag Gadgets sehr gern und denke darum gern über Zubehör für meine bewährte Kenwood Küchenmaschine nach. Da ich auch noch geizig bin, ist tutti.ch meine erste Adresse für die Suche nach Zubehörteilen. Also landete ich – wie so oft bei Gebrauchtwaren – auf tutti.ch. Doch bevor ich mich auf die Suche machte, fiel mein Blick auf die Datenschutzeinstellungen von onetrust. Ein Klick, ein Stirnrunzeln. Und schon war ich wieder mittendrin in einem meiner Lieblingsthemen: der digitalen Datenspur.

tutti.ch listet sage und schreibe 778 Partner auf, mit denen sie potenziell meine (und deine) Daten teilen. 778! Das musst du dir mal auf der Zunge zergehen lassen.

Vom Inserat zur globalen Datenauktion

Meine Analyse mit einem python-script von 646 dieser Partner zeichnet ein klares Bild. Es ist ein komplexes Ökosystem aus Ad-Tech-Firmen, Datenbrokern und Marketing-Plattformen, das im Hintergrund agiert, während du nach Schnäppchen jagst. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Über 64% der Partner weisen ein hohes oder sehr hohes Datenschutzrisiko auf.
  • Fast die Hälfte (46%) betreibt intensiven Datenhandel und gibt gesammelte Informationen systematisch an weitere Akteure weiter.
  • 17% der Firmen bieten nur geringe Transparenz, was bedeutet, dass du als Nutzer kaum nachvollziehen kannst, was mit deinen Daten geschieht.

Die Akteure im Schatten: Einblicke in die Überwachungsindustrie

Wer sind diese Partner? Ein paar besonders brisante Beispiele:

  • Xandr (Microsoft): Risiko-Score 8.2 von 10. Laut NGO noyb beantwortet Xandr 0% der Löschanfragen gemäss DSGVO.
  • IQM Corporation: Risiko-Score 8.2. Spezialisiert auf stark regulierte Branchen wie Politik und Gesundheit.
  • Ad-Shield, Inc.: Spezialisiert darauf, Werbung an Nutzer mit Adblockern auszuspielen.
  • ABCS INSIGHTS: Analysiert Kaufdaten aus Finanztransaktionen und Einzelhandelsquittungen.

Was du tun kannst: Praktische Empfehlungen

Du bist dieser Datenschieberei nicht hilflos ausgeliefert. Hier sind konkrete Schritte:

Für den sofortigen Selbstschutz:

  1. Browser-Hygiene: Blockiere Drittanbieter-Cookies und aktiviere "Do Not Track".
  2. Privacy-Tools nutzen: uBlock Origin, Privacy Badger, VPN.
  3. Opt-Out-Möglichkeiten wahrnehmen: Plattformen wie YourOnlineChoices.com.

Für eine langfristige Veränderung:

  • Rechte einfordern: Stelle Auskunftsbegehren nach dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG).
  • Politischen Druck aufbauen: Unterstütze Organisationen, die sich für ein Verbot von überwachungsbasierter Werbung einsetzen.

Ein Appell an die Verantwortung

Diese Analyse ist hoffentlich auch ein Weckruf an die Betreiber von tutti.ch. Ich richte mich stellvertretend direkt an Christoph Tonini, CEO der SMG Swiss Marketplace Group:

Sehr geehrter Herr Tonini, die schiere Anzahl von 778 Partnern ist für Ihre Nutzerinnen und Nutzer nicht mehr nachvollziehbar und untergräbt das Vertrauen in Ihre Plattform. Ich fordere Sie auf, im Sinne der Transparenz und des Datenschutzes die Liste Ihrer Partner drastisch zu reduzieren.

Fazit: Das Ende der Unschuld

Die Suche nach einem Küchenmaschinen-Teil hat bei mir eine Lawine losgetreten. Diese zugegebenermassen über Nacht erstellte Analyse hat gezeigt, wie tief die Überwachungsindustrie in unseren digitalen Alltag eingedrungen ist. Es ist an der Zeit, dass du dich als Nutzerin oder Nutzer wehrst.


Zur Methodik: Die Risikobewertungen basieren auf einer systematischen Analyse von 646 der 778 Partnerunternehmen anhand von fünf quantitativen Kriterien.

Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag wurde unter teilweiser Verwendung von KI-Tools wie Gemini, Perplexity und Manus erstellt.

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