Der digitale Hebel: Wie Du mit neuen Tools den Shareholder-Aktivismus aufmischst

Der digitale Hebel: Wie Du mit neuen Tools den Shareholder-Aktivismus aufmischst

Ich sass 1992 auf dem Greenpeaceschiff "Solo" zwei Wochen in russischer Untersuchungshaft in Murmansk. Die Küstenwache hatte mit Kanonen vor unseren Bug geschossen, als wir versenkten Atommüll aufspüren wollten. Damals, in der russischen Arktis, war unser grösstes Kapital unsere Überzeugung und unsere Fähigkeit, Menschen und Regierungen über unsere Bilder zu mobilisieren. Unsere Werkzeuge waren ziviler Ungehorsam, Megaphone, Transparente und eine unbändige Energie.

Heute, mehr als 30 Jahre später, als progressiver Tech-Unternehmer und CEO von nowtec solutions, sehe ich eine neue Generation von Werkzeugen, die das Spielfeld des Aktivismus fundamental verändern. Werkzeuge, die uns Möglichkeiten geben, von denen wir damals nur träumen konnten.

Die neue Ära des Shareholder Activism: Mehr als nur Stimmrechte

Shareholder Activism ist längst nicht mehr das exklusive Spielfeld milliardenschwerer Hedgefonds. Ein aktueller Bericht der Harvard Law School zeigt: Die Fronten werden breiter. Aktivisten nehmen nicht mehr nur die Chefetage ins Visier, sondern sprechen gezielt eine breite Masse von Stakeholdern an.

Als wir 2017 Campax gründeten – heute die grösste Bürgerbewegung der Schweiz mit fast 700'000 Aktiven – war es genau diese Strategie: Nicht nur die Entscheider ansprechen, sondern die Menschen mobilisieren, die diese Entscheider umgeben.

Genau hier kommen Tools wie Phantombuster ins Spiel. Stell Dir Phantombuster nicht als Software vor, sondern als digitalen Werkzeugkasten für den modernen Aktivisten.

Dein digitales Brecheisen: So funktioniert's in der Praxis

Vergiss anonyme Massen-E-Mails. Die neue Form des Aktivismus ist persönlich, direkt und datengestützt.

1. Die Landkarte des Konzerns zeichnen: Mit dem "LinkedIn Company Employees Export" von Phantombuster extrahieren wir eine Liste von Hunderten oder sogar Tausenden Mitarbeitenden des Zielunternehmens. Wir können gezielt nach Ingenieuren in der Nachhaltigkeitsabteilung, nach Managern im mittleren Management oder nach jungen Talenten suchen.

2. Die Koalition von innen schmieden: Wir nutzen den "LinkedIn Auto Connect" und den "AI LinkedIn Message Writer". Wir können personalisierte Kontaktanfragen an Hunderte von ausgewählten Mitarbeitenden senden. Die KI hilft uns dabei, die Nachrichten so zu formulieren, dass sie nicht wie Spam klingen.

3. Die Botschaft verstärken: Mit dem "LinkedIn Message Sender" können wir unsere neuen Kontakte mit weiterführenden Informationen versorgen. Der "LinkedIn Auto Commenter" kann uns helfen, unter den Posts des Unternehmens oder seiner Führungskräfte präsent zu sein.

Die Macht der direkten Ansprache

Was wir hier tun, ist eine Demokratisierung des Aktivismus. Wir umgehen die traditionellen Gatekeeper – die PR-Abteilungen und die Hochglanzbroschüren – und sprechen direkt mit den Menschen, die das Unternehmen ausmachen.

Der Elefant im Raum: Datenschutz und Ethik

Natürlich müssen wir diese Werkzeuge verantwortungsvoll einsetzen. Als jemand, der nowtec solutions gegründet hat, um NGOs mit souveräner, datenschutzkonformer Technologie zu stärken, weiss ich: Technologie ist nur so gut wie die Werte, die sie trägt.

In der EU und der Schweiz gelten strenge Datenschutzgesetze. Auch öffentlich zugängliche LinkedIn-Daten sind personenbezogene Daten und unterliegen der DSGVO und dem revidierten Schweizer Datenschutzgesetz.

Meine klare Empfehlung: Kläre vor dem Einsatz automatisierter Tools in grossangelegten Kampagnen unbedingt mit einem Datenschutzanwalt ab, was in Deinem Land legal ist. Transparenz ist essentiell. Sei ehrlich über Deine Absichten. Respektiere "Nein". Und nutze nur öffentlich verfügbare Daten.

Es geht nicht darum, Menschen zu belästigen, sondern darum, einen ehrlichen Dialog zu erzwingen und Transparenz zu schaffen.

Vom Ziel ausgehen

Ich hab in all den Jahren der Kampagnenarbeit immer nach einem Prinzip gearbeitet: Vom Ziel ausgehen, Mittel und Methoden danach auswählen. Wenn Dein Ziel ist, ein Unternehmen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen, dann wähle die Werkzeuge, die dieses Ziel am effektivsten erreichen.

Die Megaphone und Transparente haben immer noch ihren Platz. Aber der moderne Kampf für Veränderung wird auch mit Daten, APIs und intelligenten Automatisierungen geführt. Es ist an der Zeit, dass wir uns diese Werkzeuge zu eigen machen.

Campaigning war schon immer ein Gemeinschaftssport. Heute haben wir die Technologie, um diese Gemeinschaft schneller, gezielter und wirkungsvoller zu organisieren als je zuvor.

Wenn Du mehr wissen willst, wie Du mit den beschriebenen Mitteln Einfluss nehmen kannst mit Deiner Kampagne, schreib mir oder ruf mich an: +41792513835, afm@campaignpulse.net


Andreas Freimüller ist CEO und Gründer von nowtec solutions AG, Senior Adviser beim Kampagnenforum und Co-Founder bei Leadnow GmbH. Er war Mitgründer und Präsident von Campax, der grössten Bürgerbewegung der Schweiz, und hat über 30 Jahre Erfahrung an der Schnittstelle von Gesellschaft, Technologie und strategischer Kommunikation.

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