Das Ende der Vollbeschäftigungs-Angst: Warum wir heute anders politisieren

Das Ende der Vollbeschäftigungs-Angst: Warum wir heute anders politisieren

Als ich mich für ein aktuelles Projekt durch die Sorgenbarometerberichte der letzten sieben Jahre wühlte, wurde mir eines ganz klar: Wir stecken mitten in einem riesigen Paradigmenwechsel, der unsere politische Arbeit komplett auf den Kopf stellt. Diese Entwicklungen sind so spannend, dass ich sie unbedingt mit euch teilen möchte.

Vom „Einkommen" zu den „Ausgaben"

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als die grösste Angst der Schweizer war, den Job zu verlieren? „Habe ich morgen noch Arbeit?" – das war die brennende Frage. Die Sorge um die Arbeitslosigkeit, die in den 90er-Jahren das Sorgenbarometer noch mit Werten von bis zu 90 % dominierte, ist 2025 mit nur noch 6 % fast vollständig von der Bildfläche verschwunden. Diese Existenzangst ist fast komplett verschwunden. Stattdessen dreht sich heute alles ums Portemonnaie, aber auf eine ganz andere Art: Es geht nicht mehr darum, was reinkommt, sondern was rausgeht.

Die Krankenkassenprämien sind mit 45% im Jahr 2025 die unangefochtene Nummer eins der Sorgen. Zusammen mit explodierenden Mieten und den allgemeinen Lebenshaltungskosten ergibt das ein Paket, das ich „Portemonnaie-Politik" nenne. Für uns Campaigner heisst das: Abstrakte Wirtschaftszahlen interessieren niemanden mehr. Wir müssen die konkreten monatlichen Fixkosten der Leute ansprechen, wenn wir sie mobilisieren wollen.

Der Trump-Schock und die neue Weltunordnung

Geopolitische Themen waren für die Schweizer lange Zeit eher ein fernes Rauschen. Das hat sich radikal geändert. Der Krieg in der Ukraine und die Präsidentschaft von Donald Trump haben die Sorgenliste im Sturm erobert.

Besonders krass: Die Sorge um Trump als US-Präsident ist 2025 von Rang 41 auf Rang 8 hochgeschnellt (19% der Befragten). Das ist die grösste Veränderung seit der Corona-Pandemie. Wir merken: Die Schweiz ist kein isolierter sicherer Hafen mehr. Das Vertrauen in die USA ist regelrecht abgestürzt und liegt nun auf einem ähnlichen Niveau wie das in China.

Das Vertrauens-Vakuum als Chance

Was mich als Campaigner besonders wachrüttelt: Das Gefühl, dass die Politik versagt, hat einen neuen historischen Höchststand erreicht. Ganze 57 Prozent der Stimmberechtigten werfen der Politik vor, in entscheidenden Dingen „oft" zu versagen. Das Vertrauen in den Bundesrat ist massiv eingebrochen.

Das ist ein gefährliches Vakuum, aber für progressive Bewegungen auch eine riesige Chance. Wenn die etablierten Institutionen nicht mehr liefern, suchen die Menschen nach neuen Wegen der Mitbestimmung und Orientierung.

KI: Zwischen Alltag und Skepsis

Zum Schluss noch ein Blick auf mein Lieblingsthema: Tech. Die Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT ist im Alltag explodiert – von 30 % im Jahr 2023 auf 57 % im Jahr 2025. Aber: Die anfängliche Euphorie hält sich in Grenzen. Die Menschen nutzen es zwar, sehen aber zunehmend die Risiken.

Für uns heisst das: pragmatisch bleiben. KI als Werkzeug nutzen, um effizienter zu werden, aber nie vergessen, dass echte Veränderung von Menschen und echtem Vertrauen ausgeht.

Beste Grüsse,
Andi

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