Wie viele andere Menschen entdecke ich immer wieder neue KI-Werkzeuge. Jedes verspricht, noch besser, schneller oder intelligenter zu sein. Nach einer intensiven Phase der Perplexity-Nutzung bin ich irgendwann letztes Jahr auf Manus gestossen – ein KI-Orchestrator, der das Potenzial hatte, meine Arbeitsweise grundlegend zu verändern. Manus war nicht einfach nur ein weiteres KI-Tool. Es war ein Versprechen. Ein Versprechen von Autonomie, von umfassender Aufgabenbewältigung, von einer neuen Ära der künstlichen Intelligenz. Doch diese Faszination wurde jäh unterbrochen.
Vor etwa drei Wochen platzte ein Newsletter von Manus in meinen Posteingang, der stolz beeindruckende Wachstumszahlen präsentierte. Nur eine Woche später folgte die eigentliche Bombe: Manus gehört jetzt zu Meta. Eine kurze Recherche bestätigte das Unfassbare: Nach nur neun Monaten im Live-Betrieb wurde das Start-up für geschätzte 2 bis 2,5 Milliarden US-Dollar von Mark Zuckerbergs Konzern geschluckt. Und plötzlich stehe ich vor einer Wahl, die weit über die blosse Präferenz für ein digitales Werkzeug hinausgeht.
Der kurze, steile Aufstieg von Manus
Um mein Dilemma zu verstehen, muss man verstehen, was Manus so besonders machte. Gegründet von einem Trio aus chinesischen Tech-Spezialisten – Xiao Hong, Ji Yichao und Zhang Tao – war Manus mehr als nur ein Chatbot. Es war der selbsternannte „weltweit erste vollautonome General AI Agent“. Während Werkzeuge wie ChatGPT auf schrittweise Anweisungen angewiesen sind, konnte Manus komplexe Aufgaben selbstständig in Teilschritte zerlegen, einen Plan erstellen und diesen in einer isolierten Cloud-Umgebung ausführen. Es konnte Lebensläufe screenen, Bewerber ranken, Daten formatieren und Aktienanalysen erstellen – alles mit minimaler menschlicher Interaktion.
Die Zahlen sprachen für sich: In nur acht Monaten nach dem Launch im März 2025 erreichte Manus einen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) von 100 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der beliebte KI-Code-Editor Cursor brauchte dafür 18 Monate. Manus war nicht nur ein Hype, es war ein funktionierendes Geschäftsmodell, das professionelle Nutzer anzog, die bereit waren, für echte Effizienzgewinne zu zahlen.
AI Orchestration vs. Agentic AI: Was Manus wirklich konnte
Das Geheimnis hinter Manus‘ Fähigkeiten liegt in der Kombination zweier Konzepte, die oft verwechselt werden: Agentic AI und AI Orchestration.
Stellen wir uns das in Schichten vor:
- Das Sprachmodell (LLM): Ganz unten sitzt das rohe KI-Modell wie GPT-4 oder Claude 3.5. Es ist das Gehirn, das denken, aber nicht handeln kann.
- Agentic AI: Diese Schicht gibt dem Gehirn einen Körper. Sie ermöglicht dem Modell, Werkzeuge zu benutzen (z.B. Code ausführen, im Internet surfen), sich an vergangene Aktionen zu erinnern und über mehrere Schritte hinweg autonom ein Ziel zu verfolgen. Ein KI-Agent ist ein System, das wahrnimmt, denkt, handelt und aus den Ergebnissen lernt.
- AI Orchestration: Das ist die Infrastruktur, die eine ganze Armee von Agenten managt. Sie kümmert sich um die Sicherheit (Sandboxing), die Zuweisung von Ressourcen (Rechenleistung, API-Limits) und die Verteilung von Aufgaben an den richtigen Agenten. Orchestrierung wird dann entscheidend, wenn man von einem einzelnen Agenten auf einem Laptop zu Hunderten von Agenten in der Cloud skalieren will.
Manus war beides: ein mächtiger Agent und ein cleverer Orchestrator. Es nutzte eine Multi-Agenten-Architektur, bei der spezialisierte Agenten für Planung, Ausführung und Überprüfung zusammenarbeiteten. Diese Fähigkeit, die besten verfügbaren KI-Modelle für die jeweilige Aufgabe zu orchestrieren und autonom agieren zu lassen, machte Manus so überlegen.

Warum Meta 2 Milliarden für ein 9 Monate altes Start-up zahlt
Für Meta ist Manus die perfekte Ergänzung. Während Metas eigene Llama-Modelle Weltklasse- Gehirne sind, fehlte ihnen der Körper – die Fähigkeit zu handeln. Manus liefert genau diese „Action Engine“.
Mark Zuckerbergs Vision einer „persönlichen Superintelligenz“ erfordert mehr als nur Chatbots. Er will, dass KI für uns handelt. Die Integration von Manus in WhatsApp, Instagram und Facebook könnte diesen Plattformen ermöglichen, von passivem Content-Konsum zu aktivem Task-Management überzugehen. Stell dir vor, du bittest deine KI in WhatsApp, einen Urlaub zu buchen, und sie tut es einfach. Das ist die Zukunft, die Meta mit Manus kaufen will.
Die Übernahme hat auch eine geopolitische Dimension. Manus‘ chinesische Wurzeln und frühe Investoren wie Tencent hätten in den USA zu einem Problem werden können. Doch das Team war vorausschauend: Der Umzug des Hauptsitzes nach Singapur im Juni 2025 war ein strategischer Schachzug, der den Weg für den Meta-Deal ebnete. Meta hat bereits klargestellt, dass nach der Übernahme keine chinesischen Eigentumsinteressen mehr bestehen werden.
Mein Dilemma: Bequemlichkeit vs. Gewissen
Und hier stehe ich nun. Soll ich dieses brillante Werkzeug weiter nutzen und damit Mark Zuckerberg noch reicher und mächtiger machen? Oder soll ich mich auf die Suche nach Alternativen begeben, die vielleicht (noch) nicht ganz so gut sind, aber nicht Teil eines Tech-Giganten sind, dessen Geschäftsmodell ich kritisch sehe?
Es ist die klassische Frage zwischen Bequemlichkeit und Gewissen. Meta wird Manus zweifellos noch leistungsfähiger machen. Die Integration in die bestehenden Plattformen wird nahtlos sein. Aber der Preis dafür ist eine weitere Zentralisierung von Macht und Daten in den Händen eines einzigen Konzerns.
Ich habe begonnen, mich nach Alternativen umzusehen. Es gibt spannende Projekte wie OpenHands, das sich auf Agentic AI für Softwareentwicklung konzentriert, aber (noch) nicht die umfassende Orchestrierungs-Plattform ist, die Manus war. Es gibt unzählige Open-Source-Projekte, die vielversprechend sind, aber oft technisches Know-how erfordern und nicht die gleiche Benutzerfreundlichkeit bieten.
Am liebsten wäre mir ja ein noch besseres Tool, das noch günstiger ist und das Mark Zuckerberg zumindest nicht reicher, am besten aber ärmer machen würde. Aber die Realität ist, dass der Aufbau und Betrieb solch komplexer KI-Systeme enorme Ressourcen erfordert – Ressourcen, die oft nur die grossen Tech-Konzerne haben.
Ein Aufruf an die Community
Diese Geschichte ist mehr als nur eine persönliche Anekdote. Sie ist ein Sinnbild für die Entwicklung des Internets und der KI. Wir stehen an einem Scheideweg. Werden wir uns für wenige, extrem leistungsfähige, aber geschlossene Ökosysteme entscheiden? Oder wird es Raum geben für eine vielfältige Landschaft von unabhängigen, vielleicht spezialisierteren, aber offeneren Werkzeugen?
Ich habe keine endgültige Antwort. Aber ich weiss, dass ich nicht allein bin mit diesem Dilemma. Deshalb wende ich mich an euch, die Community der Campaigner, der Tech-Enthusiasten, der kritischen Geister. Welche Werkzeuge nutzt ihr? Welche Alternativen zu den grossen Plattformen habt ihr entdeckt? Wie geht ihr mit dem Spannungsfeld zwischen technologischer Faszination und ethischer Verantwortung um?
Schreibt mir eure Gedanken in die Kommentare. Lasst uns gemeinsam eine Landkarte der Alternativen erstellen. Denn die Zukunft der KI ist zu wichtig, um sie allein den Giganten zu überlassen.
Disclaimer: Dieser Beitrag wurde unter teilweiser Zuhilfenahme von KI-Werkzeugen (für Recherche und Fakten-Check) erstellt. Alle Inhalte wurden sorgfältig überprüft, überarbeitet und verantwortet.
